Das Naturreservat Kullaberg ist schwer in Worte zu fassen. Wie auch bei einer beeindruckenden Mischung aus steilen Felsklippen, Mooren, Höhlen, uralten Wäldern, Weiden und Sandstränden. Die Landschaft ist damit so vielfältig, dass zwei Drittel der schwedischen Pflanzenarten hier zu finden sind. Klar, dass wir Kullaberg gleich zu Beginn unseres Schweden-Familienurlaubs erkunden wollten.
Unsere familientaugliche Entdeckungs-Tour startete am Parkplatz „Kullens Fyr“. Nach 400 Metern durch Wald und Wiesen eröffnete sich der erste Blick über die zerklüftete Küstenlandschaft.



Während unser nicht mal zwei Jahre altes Kind alles aus der Trage heraus bewundern konnte, wanderte und kletterte unser fünfjähriges Kind an diesem Tag alles selbst. Da Teile des Wegs direkt an den Klippen verlaufen forderte das von allen besondere Achtsamkeit.
Jeden Meter boten sich neue Ausblicke auf Buchten, Felsen und plötzlich entdeckten wir zwischen den Wellen auch noch Schweinswale. Die Meeressäuger wohnen rund um die Halbinsel Kullaberg. Das wir das Glück haben würden sie zu sehen, hatten wir aber nicht gedacht.






Nach einer Pause entschieden wir uns zur Lahibiagrottan abzusteigen. An einem Seil entlang ging es etwa 60 Meter über nasses Geröll nach unten. Auf einem Schild wurde über die hohe Schwierigkeit informiert. Der Abstieg mit Kind erforderte entsprechend viel Konzentration.
Die Lahibiagrottan ist eine von vielen begehbaren Höhlen Kullabergs. Archäologische Untersuchungen konnten die Nutzung ab der Steinzeit nachweisen und – noch viel spektakulärer – das Vorkommen des ausgestorbenen Riesenalk. Der flugunfähige „Pinguin der Nordhalbkugel“ war etwa 5 Kilogramm schwer und bis zu 85 Zentimeter groß.
Die tropfende Höhle und das Gestein erkundeten wir mit Stirnlampe – nicht, weil man sie gebraucht hätte, aber unser Kind fühlte sich damit direkt viel mehr als Forscher.



Nach dem Aufstieg erreichten wir „Kullens Fyrservering“ – eine Mischung aus Restaurant, Café und Kiosk. Für uns war es erst einmal eine Eisdiele und der Ort, an dem wir nach einsamen Wegen wieder auf Menschen trafen.
Ein kleines Stück weiter oben steht der Leuchtturm mit einer wunderschönen Fresnel-Linse. In Betrieb leuchtet hier Skandinaviens hellstes Licht, welches noch in 51 Kilometern Entfernung zu sehen ist. Vom Plateau des Leuchtturms schauten wir uns die bisher gewanderte Route nochmal aus der Vogelperspektive an.



Unser Entdeckungsdrang zog uns aber noch weiter. Wir wollten bis zum Ende der Landspitze, wo nochmals ein kleines Leuchtfeuer steht. Den Abstieg zur Silvergrottan schafften wir nicht mehr, nahmen uns dafür Zeit die unterschiedlichen Farben, Felsformationen und Pflanzen in uns aufzunehmen.






Wir waren an diesem Tag nur etwa vier oder fünf Kilometer gelaufen. Die Eindrücke unserer Wanderung mit Rucksack, einem Trage- und einem Kletterkind fühlten sich aber eher an wie eine kleine Weltreise.
Tipps, wenn du mit der Familie Kullaberg entdecken möchtest:
Hinkommen: Zu Fuß auf dem Skåneleden-Fernwanderweg oder mit dem Rad. Im Sommer fährt ein Bus ab Mölle. Mit dem Auto hat man die Wahl zwischen mehreren Parkplätzen. Einer liegt direkt 500m entfernt vom Leuchtturm.
Karte: Karten zum Wandern, Radfahren, Mountainbiken, Reiten u.a. findest du hier.
In der Nähe: Naturum Kullaberg, Hafenorte Mölle und Arild, Håkull (höchste Erhebung), historischer Bauernhof Himmelstorpsgården, Treibgutkunstwerk Nimis
Mehr Information: Eine gute Website zum Einstieg ist VisitSkåne. Umfassende Informationen auf Schwedisch und teilweise in Englisch findest du auf der Seite kullabergsnatur.se. Auf der Hauptseite des Skåneleden kann man sich informieren, wo Trinkwasserstellen, Übernachtungsplätze und Toiletten vorhanden sind.
Wir waren glücklich auf dem Bauernhof Kullasparris zu übernachten.
Danke für den schönen Text und die tollen Bilder. Das macht mich sehr neugierig.
Maigrüße aus Berlin,
Daniel
Sehr gerne :) Im nächsten Beitrag geht es auf die höchste Erhebung Kullabergs.
Maigrüße aus der kleinen in die große B-Stadt
Markus
Das sieht richtig toll aus & macht mir gerade Lust, es auch mal zu entdecken :) Ich mag deine Bilder sowieso immer, irgendwie!
Hallo Annabel,
ich liefer dir gerne ein komplettes Programm für zwei Wochen ;) Im Ernst: Die Gegend – dazu bald mehr – ist sooo vielfältig.
Und: Das ist ein sehr schönes Lob zu meinen Fotos. Vielen Dank :)
Markus
Chapeau! Mit Trage ist das sportlich!
Gewiss sehr erlebenswert und wird unter feine Erinnerungen gespeichert – auch von den Kindern (zumindest dem größeren)!
Liebe Grüße,
Syntaxia
Ja, unser großes Kind hat mit der ganzen Kletterei viel Selbstbewusstsein getankt und will unbedingt noch „alle“ anderen Höhlen Kullabergs erkunden.
Und nochmal ja, es war einfach ein wundervoll schöner Flecken Erde :)
Liebe Grüßen und vielen Dank für deine Gedanken Syntaxia!
Markus