Das schwarze Wasser

Das Freibad im Sommer, bei Nacht. Der Nachtwächter dreht seine letzte Runde, bevor zwei Gruppen junger Menschen heimlich über den Zaun klettern. Frank und Olli, Cynthia, Kerstin und Freddi treffen auf Murat, Karim, Leyla und Aishe. Wer zuerst da war? Das wird schnell unwichtig in einer Nacht in der soziale und kulturelle Unterschiede verschwimmen in Neugierde, Flitereien, der Sehnsucht nach Freiheit.

Poetisch ist die Inszenierung von „Das schwarze Wasser“ am ETA Hoffmann Theater in Bamberg. So tief poetisch wie das schwarze Wasser selbst. Das mit dem Sternenhimmel auf der Oberfläche. Ein Sternenhimmel, der zerspringt als Leyla und Frank in ihn eintauchen. In das schwarze Wasser. In eine Welt in der es keine Sprache gibt, keinen Gott, kein gestern, kein morgen, kein woher man kommt und was man werden wird. Hier zählt nur die Luft in deinen Lungen.

Und alles scheint möglich. Dass die beiden Gruppen nicht aus zwei Welten kommen. Der einen in der man in einem eigenen Haus wohnt, der Vater Minister, die Väter davor ebenso, man selbst auch bald. Der anderen am Stadtrand, am Ende der Schnellbahn, bestehend aus Wohnblocks. Kurz sind es nicht zwei Welten, sondern nur zwei Gesichter einer einzigen Welt.

Erst 20 Jahre treffen sie sich wieder. Beim Elternsprechtag: Eine, die inzwischen Lehrerin geworden ist mit einem, der den Dönerladen seines Vaters übernommen hat. Auf der Straße: Er, Frank, Minister wie eben seine Väter auch. Sie, Leyla, arbeitet an der Supermarktkasse. Und dann fängt sie an zu weinen. Auf der Straße. Im Regen. Er, hilflos, bringt sie nach Hause. In die gleiche Wohnung wie vor 20 Jahren. Alles scheint wie zementiert – eben in zwei Welten. Doch als Frank vom Regen durchnässt zuhause ankommt. Frau und Eltern warten auf ihn, überschütten ihn mit Fragen. Da steht er einfach nur da. Mit einem durchweichten Zettel von Leyla in der Hand. Und da schimmert er durch. Der Moment im schwarzen Wasser.


Das schwarze Wasser“ von Roland Schimmelpfennig wird derzeit im ETA  Hoffmann Theater Bamberg unter der Regie von Sybille Broll-Pape aufgeführt. Musikalisch und live begleitet von Jan Schöwer, der er versteht Orte und Momente in Musik umzusetzen. Mit: Anna Döing, Bertram Maxim Gärtner, Ronja Losert, Katharina Rehn, Pascal Riedel und Daniel Seniuk.

Aufführungen u.a. am 16., 19., 20., 21. Januar. Weitere Termine im Spielplan des ETA Hoffmann Theaters.

Das Copyright aller hier verwendeten Fotos (inkl. Beitragsbild) liegt bei Martin Kaufhold.

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