Schneesturmwärme II

Nach und nach kamen immer mehr liebe Menschen an. Jeden Morgen war der Frühstückstisch größer. Dabei wurde es zunehmend schwerer die verschneite Straße bis zur nächsten angefahrenen Bushaltestelle in sechs Kilometern Entfernung runter und wieder hoch zu kommen.

Tagsüber zog es uns nach draußen, ganz gleich ob ein eisiger Wind blies oder der Himmel mal kurz seine Farbe verriet. Einmal wanderten wir einfach nur über die Felder, ein anderes Mal zogen wir mit den Schlitten zur Körnermühle ins Tal der Wilden Weißeritz.

Auch wenn wir aufgrund der wunderschön winterlichen Landschaft keine weitere Motivation zum Weiterlaufen brauchten, zeigte uns eine der Freundinnen wie sie in ihrer Kindheit auf langen verschneiten Wegen ermuntert wurde. Für die Eltern: Schokolade mitnehmen, etwas vorauslaufen, Schokolade irgendwo in den Schneewald werfen, suchen lassen. Und am besten merken, wo sie gelandet ist.

Auf dem Rückweg wurden die Wolken dann langsam immer verheisungsvoll dunkler und dann begann es so richtig zu schneien – in dicken Flocken.

Drinnen feuerten wir den Kamin an – das kann man ruhig so doppeldeutig sagen – wir kochten, spielten und saßen zusammen. Draußen zog der Schneesturm um die alten Hauswände, die ganze Nacht.

Am Morgen war nicht nur der Weg durch den Innenhof nach draußen zugeschneit. Auch die zwei Autos mussten erst freigeschaufelt werden, um dann noch hundert Meter schneeverwehten Feldweg bis zur geräumten Straße zu überwinden. Wir schaufelten und schaufelten und schoben und rangierten – letztendlich erfolgreich.

Vor der letzten Nacht trockneten noch einmal sowohl die Schneehosen als auch die Apfelringe am Kamin.

Als wir fuhren blieb der alte Hof zurück. Immer noch im Winterwunderland. Und ich war glücklich über diese Tage, diese Menschen, diese neuen Erlebnisse und das eine Mal richtig Schnee.

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