Mit Tragekind zum Gipfel

Urlaubsplanung ist das A und O. Wir haben geplant. Wir haben gebucht. Ja, und erst danach stellte sich heraus, dass in genau dieser Woche alle Seilbahnen gewartet werden, die Königsseeschiffahrt noch nicht den Obersee anfährt und alle Almen noch in tiefem Winterschlaf liegen. Und jetzt?

Guten Morgen Vorsaison! Wir wollen trotzdem auf einem Gipfel. Mit Aussicht. Und ein kleines Abenteuer. Mit Tragekind auf dem Rücken.

Unsere Tour führte uns von Artenreit über die Talstation der Jennerbahn nach Holz. Dort tauschten wir die Straße in einen immer schmaler werdenden steilen Wanderpfad. Auf dem Weg durch den Kraulkasergraben hinauf zum Brandkopf bekamen wir das geforderte Abenteuer.

Der Bergwinter hatte ganze Arbeit geleistet, sodass wir mal oberhalb weggerissener Wegteile weiterkletterten, dann wieder unter Bäumen hindurchkrochen und an anderer Stelle versuchten auf schiefen Brückenteilen das Gleichgewicht zu halten. An meinem Bauch schlief friedlich unser Kind, träumte sicherlich von einer schaukeligen Pazifiküberfahrt, verpasste dafür aber auch den Ausblick auf das beeindruckende Watzmannmassiv und das Rauschen des Bergbaches.

Nach dem Erreichen der Brandkopfstraße mussten wir „nur“ noch ein Schneefeld überqueren und dann aufgrund des unauffindbaren Weges durch den Wald hinauf mäandern. Aber dann:

Hinter uns Göll und Kehlstein. Vor uns…

…die Weite.

Für uns fünf und in diesem Moment für niemand sonst der schönste Pause-, Still- und ja, auch Wickelplatz der Welt. Jeder (Höhen-)Meter hatte sich gelohnt.

Nach verewigenden „Familienfotos“ und mit Glücksgefühlen in den Beinen begannen wir den Abstieg. Am Alpengasthof Vorderbrand lag noch dick Schnee auf den Tischen und Bänken, aber auch schon die Schaufel. Wäre kein Ruhetag gewesen wären wir hier sicher auf einen Kaiserschmarrn oder eine Limo geblieben.

Weil der Wanderweg im Tal des Hainzenbachs zu dieser Zeit noch unbegehbar aussah, folgten wir vorerst der Straße und hatten dabei ein unwirkliches Erlebnis: Ein Mann, der mit einem Laubbläser von einer endlosen Weide die Blätter zurück in den Wald pustete.

Der Weg führte dann durch langsam frühlingserwachenden Wald zurück Richtung Schönau und eröffnete noch einmal den Blick auf die Watzmannfamilie.

Von unten sah der Brandkopf nicht gerade majestätisch aus, aber wir wussten, dass der Weg so früh im Jahr kein Spaziergang war.

Vom Balkon unserer Ferienwohnung blickten wir nachmittags hinüber zum erreichten Tagesziel. Die Vorsaison hatte alle Wünsche erfüllt: Einen Gipfel. Mit Aussicht. Ein kleines Abenteuer. Mit Tragekind auf dem Rücken.

3 Kommentare

  1. Welch ein schönes Bild von Familie W.

    Weißt du noch, dass wir eigentlich mal Herrn S. (oberhalb der Stelle, wo des König Ludwig Zweiten alle seine Schlösser stehn) besuchen wollten?

    Vielleicht klappt’s ja irgendwann mal.

    Liebe Grüße

    R

  2. Na klar weiß ich das noch. Inzwischen bin ich aber glaube ich auch ganz froh, dass wir das damals nicht gemacht haben… das ist schon eine ganz schön knackige Tour. Aber in Berchtesgaden haben wir sehr oft an euch denken müssen. Natürlich wegen der Kärlingerhaus-Tour aber auch wegen der vielen schönen Stellen und Varianten, die auch zu fünft gut funktionieren.

Ich freue mich, wenn du dir Zeit nimmst mir hier zu schreiben.

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