Morgendrache & Zauberwald

Das könnte der Titel eines Märchenbuches sein. So wäre es geschrieben:

Es waren einmal viereinhalb Freunde, die ausgezogen waren, um eine bergige Welt zu durchstreifen. Schon am frühen Morgen sahen sie einer großen Gefahr ins Auge. Hinter der nächsten Bergkette war der Bergdrache Göll erwacht und bewies, dass alle Sagen über dieses feuerspeiende Wesen nicht erfunden waren.

Doch die viereinhalb Freunde konnten sich glücklich schätzen. Denn mit der aufgehenden Sonne verging dem Drachen Göll die Freude am Feuer. Vielleicht war es aber auch nur ein morgendliches Husten ohne böse Absicht gewesen.

Gestärkt durch frische Stallmilch und gelieferte Brötchen, erfüllende Momente und tags zuvor bestandene Abenteuer zogen die Freunde aus, um zwei Meilen bis zur nächsten Bushaltestelle zu laufen. Denn es ergab sich, dass die Busverbindungen im bergigen Land dem wohl schlechtesten Taktgeber gefolgt waren, den eben jenes Land kannte.

Der Bus jedoch an sich war pünktlich und brachte die viereinhalb Freunde zuverlässig bis zum Brunnerlehen, dem Ausgangspunkt für die Erkundung des Zauberwaldes und einer entspannten Wanderung zum Hintersee.

Warum dieser Wald wohl so genannt wurde? Vielleicht, weil die vermoosten Steine, das Rauschen des Bergbaches und die Unberührtheit des Waldes jede Person mit ihrer Schönheit verzaubern. Oder weil Wanderer hier auf zauberhafte Weise ihre Orientierung verlieren können – zumindest wurden die viereinhalb Freunde in einer fremden und doch verständlichen Sprache gefragt „wie man denn hier rauskäme“. Bei einem überschaubaren Rundweg. Vielleicht entstand der Name Zauberwald aber auch durch den Zweifel einiger Menschen, dass ein solch besonderer Ort durch einen enormen Felssturz und ohne Magie entstanden sein soll.

Nach kurzer gefahrloser Wanderung – zumindest gab es keine böswilligen Zauberer – erreichten die viereinhalb Freunde das auf ihrer Schatzkarte markierte Ziel.

Einen kristallklaren See, der sie jedoch nicht im geringsten an Kristalle und Edelsteine denken ließ. Denn kein Gold, kein Geld wären so wertvoll gewesen wie der Moment des Glücks hoch viereinhalb mit schneebedeckten Bergen im Rücken, einem opulenten Tischleindeckdich und der Familienfreundschaft im Herz.

Und wenn sie nicht nach Hause gefahren sind, bewundern sie diese Berge noch heute.

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